Warum Biogas?

Durch die Globalisierung, dem steigenden Preisdruck auf den Milchmärkten und dem Erneuerbaren Energie Gesetz wurde die Erzeugung von Biogas ein funktionierendes zweites Standbein für Landwirte. Dabei haben Biogasanlagen gleich mehrere Vorteile:

  • Strom aus einer Biogasanlage ist CO2 neutral
  • In Biogasanlagen kann Gas gespeichert werden und Strom lediglich bei Bedarf Strom erzeugt werden
  • Gülle aus Tierhaltung kann energetisch verwendet werden
  • Durch den Gärprozess entwickelt Biogasgülle weniger Gestank
  • Gülle aus einer Biogasanlage ist durch die bessere Verfügbarkeit von Stickstoff ein besserer Dünger
  • Durch die Effekte einer Biogasanlage können wir fast komplett auf mineralische Kunstdünger verzichten
  • Zusätzlich wird der Milchmarkt entlastet, was sich positiv auf den Marktpreis auswirkt.

Gewappnet für die Zukunft

Im Jahr 2011 entstand mit der Unterstützung des Forschungszentrum F10 in Neuburg eine ganz besondere Biogasanlage. Um die Produktivität zu steigern, wurde der Bau und die Behälter einer Kuh nachempfunden. Durch dieses Konzept konnten die benötigten Behälter kleiner dimensioniert werden und speziell die Vergärung von Gras deutlich verbessert werden.

 

Wenige Jahre später wurde die Biogasanlage zusätzlich um einen zweiten Meilenstein erweitert. Die Blockheizkraftwerke (Stromerzeuger) wurden über das Internet in ein virtuelles Kraftwerk implementiert, und ein Gasspeicher wurde errichtet. Durch diese Implementierung können die Stromerzeuger bedarfsgerecht geregelt werden. Das heißt: Es wird nur Strom produziert, wenn auch wirklich Strom gebraucht wird. Das anfallende Gas wird während des Stillstands im Gasspeicher gesammelt und zwischengespeichert. Hierdurch fungiert die Biogasanlage als Spitzenlastkraftwerk und ergänzt andere erneuerbare Energiequellen in den Spitzenzeiten. 


Was leistet unsere Biogasanlage

Unsere Biogasanlage versorgt etwa 1.000 Haushalte mit Strom, sowie unseren kompletten landwirtschaftlichen Betrieb. Durch unseren Spitzenlastbetrieb ist jedoch eine insgesamt viel höhere Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien möglich. Hier wird der Zusammenhang mit den anderen Kraftwerken, wie Photovoltaik, Wind oder Wasser deutlich. Dadurch dass wenn genügend Strom aus den anderen erneuerbaren Energien vorhanden ist, unsere Anlage speichert; und bei zu wenig anderen erneuerbaren Energien dann Strom produziert wird, kann ein vielfaches der 1.000 Haushalte insgesamt gesehen mit erneuerbarem Strom versorgt werden.

 

Darüber hinaus werden derzeit noch ca. 400.000 kWh Wärme für die Beheizung genutzt. Sogar unsere Milchbox wird über die Wärme aus unserer Biogasanlage geheizt. Die restliche verfügbare Wärmeenergie wird zukünftig zur Trocknung von Scheitholz, Hackschnitzeln oder bspw. Bauholz verwendet. Im letzten Jahr bestanden über 80% der Einsatzstoffe für die Biogasanlage aus Gülle, Mist, und Grassilage.


Was heißt Spitzenlast

Biogas kann durch die Energie- / Gasspeicherung Schwankungen im Stromnetz ausgleichen und die Versorgungssicherheit bei steigendem Anteil von erneuerbaren Energien verbessern.

Bei beispielsweise Sonnenschein, oder starkem Wind wird die Biogasanlage bzw. dessen Stromerzeugung nur in Teillast betrieben. Die volle Leistung der Stromerzeugung wird bei bewölktem Wetter, wenig Wind oder bei sehr hohem Strombedarf abgerufen. Nachts, wenn am wenigsten Strom verbraucht wird, wird die Stromerzeugung vollständig abgeschalten.


Was ist ein Virtuelles Kraftwerk

Ein virtuelles Kraftwerk ist eine Zusammenschaltung von dezentralen Stromerzeugungseinheiten, wie zum Beispiel Photovoltaikanlagen, Wasserkraftwerken, Biogas-, Windenergieanlagen und Blockheizkraftwerken zu einem Verbund, der elektrische Leistung verlässlich bereitstellen und damit dargebotsunabhängige Leistung aus Großkraftwerken ersetzen kann.

 

Virtuell heißt das Kraftwerk nicht, weil es keinen Strom erzeugt, sondern weil es mehr als einen Standort besitzt. Ein wichtiger Aspekt von virtuellen Kraftwerken ist die Vermarktung des Stroms sowie die Bereitstellung von Systemdienstleistung aus einem Verbund kleiner dezentraler Anlagen. Durch diesen intelligenten Zusammenschluss können speziell Biogasanlagen bedarfsorientiert Strom erzeugen.

 

Unsere Biogasanlage arbeitet dabei in einem Virtuellen Kraftwerk der Firma NEXT Kraftwerke GmbH. Die Ansteuerung der Blockheizkraftwerke erfolgt dabei direkt über eine TCP-Verbindung zur Firma NEXT in Köln. Es werden jeweils Fahrpläne für die kommende Woche erstellt. Diese Fahrpläne werden dabei basierend auf Wettervorhersage (Wind, Sonne) und Erfahrungswerte der letzten Jahre erzeugt. Zusätzlich kann die Leistung in Echtzeit gedrosselt oder erhöht werden. Durch diese Regelung kann unsere Biogasanlage zu einer besseren Netzstabilität und höheren Versorgungssicherheit unserer Stromnetze beitragen.  

 

Biogasanlagen können durch diese Technik als einzige regenerative Energiequelle tatsächlich Spitzenlast bzw. bedarfsorientiert Energie erzeugen. Weiterhin ist eine Biogasanlage quasi 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag zur Strom- und Spitzenlasterzeugung verfügbar. Bei technischen Störungen und Wartungsarbeiten einer Anlage kann immer eine andere Anlage innerhalb des virtuellen Kraftwerks diese Aufgaben übernehmen. Die ganzjährige Verfügbarkeit einer Biogasanlage wird aus Erfahrungswerten mit 96% angenommen.

 

Dies ist bei Windenergie, Photovoltaik oder auch Wasserkraftwerken nicht der Fall, da diese immer auf Wind, Sonne oder genügend Laufwasser angewiesen sind. Bläst kein Wind, kann auch keine andere Windkraftanlage Strom produzieren. Scheint keine Sonne fallen alle Photovoltaikanlagen weg. Sind aufgrund fehlender Niederschläge die Pegelstände niedrig, produziert kein Laufwasserkraftwerk mehr Strom. Je nach Wetterlage können diese Zustände wochenlang anhalten und die entsprechenden Kraftwerke keine Energie liefern. 

 

Weitere Informationen zu unserem Vermarktungspartner Next Kraftwerke GmbH in Köln finden sie unter www.next-kraftwerke.de


Funktionsweise biogasanlage