Der Milchviehbetrieb

Was zeichnet unseren Milchbetrieb aus?

  • Tierhaltung
    • Unsere Kühe werden ausschließlich nach den Kriterien des VLOG (Verband Landwirtschaft ohne Gentechnik e.V.) gefüttert. Daher ist unsere Milch entsprechend zertifiziert und nachweislich frei von Gentechnik.
    • Bei unseren Kühen handelt es sich nicht um Hochleistungskühe, die nur auf Milchmenge reduziert werden. Uns ist die Ausgewogenheit zwischen Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden der Kühe viel wichtiger. Die Milchleistung unserer Kühe liegt deshalb auch lediglich im bayerischen Durchschnitt. Eine nicht zu hohe Milchleistung erhöht in der Regel die Milchinhaltsstoffe Milchfett und -eiweiß, weshalb die bayerische Milch mit durchschnittlich 4,25% Fett deutlich über den Inhaltsstoffen der bundesweiten Milch liegt. Es ergibt sich auch bei einer solchen Tierhaltung ein höherer Omega-3-Fettsäuren-Gehalt in der Milch.
    • Das Programm QM-Milch (Qualitätsmanagement Milch) prüft bei uns nach strengen Kriterien wichtige Punkte der Milcherzeugung ab. Eine entsprechende Zertifizierung liegt ebenfalls vor.
    • Unser gentechnikfreies Ausgleichsfutter kommt ausschließlich von dem bekannten Mehlproduzenten Vogtmühle aus dem nahen Illertissen. Hierbei kommen nur regionale Futtermittel die gentechnikfrei produziert worden sind zum Einsatz. (gentechnikfreier Soja aus deutschem Anbau, weitere Informationen finden Sie auf der Homepage www.vogtmuehlen.de)
    • Zur Behandlung von Krankheiten setzen wir bei unseren Kühen Homöopathie ein.
    • Antibiotika wird bei unseren Kühen nur bei absoluter Notwendigkeit eingesetzt. Ein prophylaktischer Antibiotikaeinsatz wurde schon immer abgelehnt.
  • Flächenbewirtschaftung
    • Die Bewirtschaftung des Grünlands erfolgt mit minimalstem Pflanzenschutzmitteleinsatz. Durch den konsequenten Zwischenfruchtanbau mit Winterbegrünung im Ackerbau konnte sogar bei Mais (welcher mit Abstand am wenigsten Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu bspw. Weizen, Gerste, Raps,... benötigt) die Applikationsmenge weiter reduziert werden. Wir befinden uns hier kurz vor dem vollständigen Verzicht. Der Zwischenfruchtanbau vermindert die Erosionsanfälligkeit und stärkt zugleich die symbiontischen Beziehungen der Bodenlebewesen und erhält dadurch die Mikro- und Makrostruktur im Boden. Hierdurch ist eine ganzjährig hohe Wasseraufnahmefähigkeit auch bei Extremwettern gewährleistet.
    • Bei der Gülleausbringung setzen wir auf eine bodennahe Ausbringung durch Schleppschuhtechnik. Dadurch werden Emissionen verringert und die Gülleeffizienz gesteigert. Die gesteigerte Gülleeffizienz unterstützt die Bewirtschaftung nach dem Kreislauf-Wirtschafts-Gedanken, wodurch mineralische Düngemittel in gleichem Umfang eingespart werden können. Wir versuchen des weiteren die Gülleausbringung auf wenige Tage im Jahr zu beschränken, um die Geruchsbelästigung für die Bevölkerung zu minimieren.
    • Die Bewirtschaftung erfolgt hauptsächlich durch Eigenmechanisierung. Die Silage-Ernte erfolgt mit Unterstützung eines regionalen Lohnunternehmen. Wir setzen hauptsächlich auf Silagewirtschaft, um Energie bei der Bewirtschaftung zu sparen und möglichst wenig Ressourcen für die Futterbergung zu verschwenden. Daneben wird Heu zur Gesundhaltung und zur optimalen Versorgung der Tiere in der benötigten Menge erzeugt.
    •  

Unser Kuhstall:

In unserem modernen Laufstall werden die Kühe zweimal täglich in einem Melkstand gemolken. Dabei wird das Euter von Hand sauber gemacht und vorgemolken. Danach wird mit Hilfe eines Melkzeuges die Milch gemolken. Das Melken ist für die Kühe ein angenehmer Vorgang, bei welchem die Tiere richtig entspannen können. Nach dem Melkvorgang wird die Zitzenspitze noch mit einem Dippmittel versiegelt und die Kuh kann wieder machen was Sie will. 

Den Rest des Tages können sich die Kühe komplett frei bewegen. Dabei kann die Kuh selber wählen, wann Sie fressen, trinken, sich an der elektrische Putzbürste massieren lassen oder einfach nur liegen will. Durch einen Laufhof hat die Kuh auch die Möglichkeit direkt an der frischen Luft die Sonne zu genießen.

Durch ständige Modernisierungen der Stalleinrichtunge versuchen wir den Kuhkomfort so hoch wie möglich zu halten, bzw. zu steigern. Hier gilt der Leitsatz - Nur eine gesunde und glückliche Kuh macht wenig Arbeit und gibt bessere Milch.


Warum nicht Bio?:

Die Frage nach einer Umstellung auf Biomilch-Produktion stellt sich für uns immer wieder. Gerade bei unserer Milchproduktion die sich sehr nahe an den Richtlinien der biologischen Produktion bewegt ergeben sich für uns folgende ganz persönlichen Pro- und Contra-Punkte:

 

Pro Bio, weil

  • höhere Produktpreise erzielt werden
  • ein besseres "Image" übertragen werden kann
  • Verbraucher Bio als uneingeschränkt besser empfinden
  • sinnvolle Maßnahmen aus den Bio-Anforderungen, welche bei uns auch umgesetzt werden, vergütet werden. (Bsp: Verzicht auf Milchaustauscher in der Kälberfütterung)
  • die Vorgaben für den Bio-Landwirt meist enger sind als bei konventioneller Landwirtschaft. (Dies unterstützt vorteilhafte Maßnahmen die im Rahmen einer konventionellen Landwirtschaft nicht zwingend nötig sind)
  • für den ungeschulten Landwirt eine zusätzliche Kontroll- und Beratungsinstanz existiert
  • Arbeitsweise nach der "Kreislauf-Wirtschaft" unterstützt wird

Contra Bio, weil:

  • keine allgemein besseren Produkte erzeugt werden
  • allgemein kein besserer Geschmack vorhanden ist
  • höhere Kosten entstehen
  • die Verfügbarkeit von regionalem Futtermittel in Bioqualität nicht gesichert ist
  • die Abhängigkeit von Biofuttermittel ausländischer Herkunft (ausländischer Qualität) steigt
  • Anbauverbände zum Teil stark ideologisch geprägt sind
  • teilweise Auflagen die weder einem höheren Tierschutz (Enthornungsverbot), der Umweltschonung (gleiche Vorgaben bezüglich der Tierzahl je Flächeneinheit wie bei konventionell) oder der höheren Artenvielfalt (nur Einsatz von kupferhaltigem Pflanzenschutzmittel) dienen, verankert sind.
  • ein Kostendruck durch ausländische Biolebensmittel (Vorgaben von österreichischem Bio erlauben höheren Kunstdüngereinsatz bei Mangel der Böden) zu erwarten ist
  • viele Ausnahmen im Kriterienkatalog für die Bioproduktion möglich sind (Einsatz konventionellem Stroh bei schlechter Verfügbarkeit von Bio-Stroh erlaubt)
  • eine mineralische Düngung auch im deutschen Biolandbau möglich ist (weicherdige Rohphosphate dürfen ausgebracht werden, welche ebenfalls Rückstandsprobleme mit bspw. radioaktivem Uran aufweisen)
  • in Deutschland derzeit hauptsächlich Stickstoff (N) als mineralischer Dünger ausgeschlossen wird. Dies beruht vermutlich auf der Tatsache, dass Stickstoff hauptverantwortlich für die Ertragshöhe ist. (Ansatz: Bio muss weniger Ertrag (unabhängig der Qualität) haben, damit hohe Preise durchgesetzt werden können, obwohl der mineralische Stickstoffdünger bei der Rückstandsproblematik (Uran) am wenigsten bedenklich ist. (da Herstellung durch Haber-Bosch-Verfahren))
  • die Spurenelementversorgung der Milchtiere im Biolandbau noch nicht gesichert. Hier wird diskutiert was für die Tierernährung, und daher für das Tierwohl essentiell nötig ist, und was aus diesem Grund zugelassen werden muss!?!
  • ein Verbot der Anbindehaltung und dessen negative Auswirkungen auf das Tierwohl nicht mal beim Ökolandbau konsequent umgesetzt wird
  • eine Energieeinsparung in der Bio-Milcherzeugung keine erhöhte Bedeutung im Vergleich zur konventionellen Erzeugung erfährt. (Verzicht von Pflanzenschutzmittel muss meist mit energieaufwendigen Feldbearbeitungsschritten ausgeglichen werden, Pflanzenschutzmittel ersetzt teilweise den Pflugeinsatz). Die gesamte CO2-Bilanz ist daher teilweise schlechter als bei konventionellen Betrieben.
  • der Bioanbau sehr empfindlich gegen Wetterextreme ist, und daher die ohnehin schlechte Ertragssicherheit in Zeiten von Klimawandel weiter schwindet (bei feucht-warmer Witterung und dadurch erhöhtem Pilzdruck keine Maßnahmen möglich sind um die Ernte zu retten)
  • die Kreislauf-Wirtschaft nicht vollständig zu Ende gedacht wird. Die Nährstoffabgänge über die erzeugten Lebensmittel gehen gerade bei Bio ohne jegliche Rückführung verloren (Nährstoffrückgewinnung bei den Kläranlage nicht gewünscht). Diese Verluste summieren sich über die Jahrzehnte zu einer Verarmung der Böden, wodurch die Bodenfruchtbarkeit auf Dauer stetig schlechter wird.
  • eine verstärkte biologische Erzeugung die Gesamterträge der Landwirtschaft reduziert, wobei zu Bedenken bleibt ob diese Verringerung den Hunger in Afrika stillen kann?
  • die Ertragsminderung des Biolandbaus die Konsequenz hat dass der Gunststandort Deutschland (viele Niederschläge, gute Böden, daher die umweltverträglichste Landwirtschaft weltweit!) nicht in vollem Umfang genutzt wird. Der Bedarf an Lebensmittel der Weltbevölkerung steigt jedoch stetig an. Die Produktion von Lebensmittel muss folglich auch an sensiblen Standorten (Milchproduktion in der Wüste? Rodung von Regenwald zur Ackerlandgewinnung?) durchgeführt werden.

Eine Umstellung auf Bio und die Nutzung dieses Labels lehnen wir daher derzeit ab, da beim Verbraucher Erwartungen kommuniziert werden, welche nur teilweise erfüllt werden können (Ausnahmen, Problembereiche).


Warum keine Heumilch?:

Ebenfalls stellte sich die Frage ob die Milchproduktion auf die alleinige Basis von Heu umgestellt werden soll. Im folgenden unsere ganz persönliche Pro- und Contraliste:

 

Pro Heumilch, weil:

  • höhere Produktpreise erzielt werden
  • ein besseres Image derzeit besteht
  • wir ein Standort für Grünlandwirtschaft sind
  • eine erhöhte Rohfaserversorgung sich positiv auf das Tierwohl ausüben kann

Contra Heumilch, weil:

  • die positiven Gesundheitseffekte der Heufütterung während der Wintermonate durch die Fütterung von Frischgras mit stark unterschiedlichen Zusammensetzungen und Qualitäten (Verschmutzung bei schlechter Witterung) während der Sommermonate im besten Fall aufgehoben wird, bzw. das Tierwohl über das ganze Jahr betrachtet, absinken kann
  • durch die oft niedrigeren Energiegehalte des Heu höhere Kraftfuttergaben nötig sind um eine ähnliche Leistung zu erzielen
  • unser Standort für Grünlandbewirtschaftung bevorzugt ist, aber aufgrund der hohen Niederschläge in Höhe von ca. 1.300l/m² wir kein Standort für eine einfache Heubereitung sind. (Diese Standorte sind bspw. auf der Schwäbischen Alp, in Franken oder in Sachsen)
  • bei uns die Werbung von Bodenheu nur an wenigen Tagen im Jahr sicher möglich ist
  • Bodenheu mit ca 30 bis 45% Rohstoffverlusten (Futterverluste) einhergeht
  • technisch getrocknetes Gras extrem energieaufwendig ist (ca. 197 kWh / 100 kg, dies entspricht ca. 200 Liter Heizölverbrauch pro 1 t Heu -> dies summiert sich bei ausschließlich technisch getrocknetem Heu auf ca. 1.500 Liter Heizöl pro Kuh und Jahr!)
  • aus Umwelt- und Klimaschutzgründen eine unnötige technische Grastrocknung abgelehnt werden muss

Eine sichere Heuwerbung wie vor 100 Jahren mit Allgäuer "Heinzen" (welche sich damals bedingt durch den Grünlandstandort und die hohen Niederschläge etabliert haben) ist heute arbeitswirtschaftlich nicht darstellbar. Die Alternative bei ausschließlicher Heufütterung der Tiere ist die technische Trocknung. Aufgrund ihres hohen Energiebedarfs ist dies in Zeiten des Klimawandels jedoch nicht unser Ziel.



Artikel aus der Fachpresse im Bereich Wissen:

Positive Effekte des weltweiten Ökolandbaus fraglich

von am

 

Der Anbau von Biolebensmitteln benötigt zu viel Ackerfläche, um sich weltweit positiv auf die Artenvielfalt auswirken zu können. Zudem ist er in ärmeren Ländern zur Ernährungssicherung ungeeignet. Dies fanden Agrarökonomen der Universität Göttingen heraus. Sie untersuchten den Einfluss des Ökolandbaus auf Umwelt, Klima und Gesundheit in unterschiedlichen Teilen der Welt.

Keine Effekte auf die Gesundheit

Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft wird der Anbau von Biolebensmitteln gemeinhin als schonender für Mensch, Tier, Umwelt und Klima wahrgenommen. Viele Studien bescheinigen dem Ökolandbau im Vergleich mit der konventionellen Landwirtschaft größere Artenvielfalt und geringere Schadstoffbelastungen auf dem Acker.

Um herauszufinden, ob der Ökolandbau auch vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen als grundsätzlich nachhaltig eingestuft werden kann, werteten Dr. Eva-Marie Meemken und Prof. Dr. Matin Qaim von der Universität Göttingen rund 150 Einzelstudien und Meta-Analysen zu den Effekten des Ökolandbaus in unterschiedlichen Teilen der Welt aus. Dabei zeigte sich, dass Biolebensmittel im Vergleich mit Produkten aus konventioneller Landwirtschaft keinen unterschiedlichen Effekt auf die Gesundheit haben.

Nur begrenzt positive Effekte auf Umwelt und Klima

Die Wissenschaftler entdeckten zudem, dass die Vorteile des Biolandbaus für Umwelt und Klima nicht gelten, wenn die Effekte pro Produkteinheit statt pro Hektar Ackerfläche verglichen werden. Für ökologische Lebensmittel benötigt man wegen der niedrigeren Erträge mehr Ackerfläche als für die gleiche Menge konventioneller Produkte. So relativieren sich die Umwelt- und Klimavorteile des Ökolandbaus und kehren sich für einige Parameter sogar um. „Die Ertragsunterschiede müssen berücksichtigt werden, weil die globale Nachfrage nach Lebensmitteln weiter wächst“, betont Qaim. „Bisher wird weltweit nur ein Prozent der Ackerfläche nach den Regeln des Ökolandbaus bewirtschaftet. Wollte man zukünftig die ganze Welt mit Bioprodukten ernähren, bräuchte man deutlich mehr Fläche, was nur auf Kosten von Wäldern und anderen natürlichen Lebensräumen möglich wäre.“

Biolebensmittel zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern ungeeignet

Des Weiteren sind Biolebensmittel zur Ernährungssicherung in Entwicklungsländern ungeeignet, da sie im Schnitt erheblich teurer als konventionelle Produkte sind. „Für einheimische Grundnahrungsmittel gibt es in Entwicklungsländern aufgrund der niedrigen Einkommen bisher kaum einen Markt für teurere Bioprodukte“, so Meemken.

Nur die Kombination von ökologischen und konventionellen Anbautechniken kann eine global nachhaltige Landwirtschaft garantieren

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass der Ökolandbau zwar in bestimmten Situationen vorteilhaft ist, aber nicht als Leitbild für global nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssicherung gelten kann. Eben so wenig kann die industrielle Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz von Chemikalien als Modell für Nachhaltigkeit dienen. „Benötigt werden produktive und zugleich umweltfreundliche Systeme. Solche Systeme standörtlich angepasst zu entwickeln, erfordert die intelligente Kombination von Methoden des Ökolandbaus und der konventionellen Landwirtschaft – auch unter Berücksichtigung ganz neuer Technologien“, so Meemken und Qaim.

Mit Material von Idw – Informationsdienst Wissenschaft, Universität Göttingen

 


Einsatz von Kupfer im Ökolandbau

 

von , am

 

Kupfer ist insbesondere für den Ökolandbau ein wichtiges Pflanzenschutzmittel. Doch der Stoff ist nicht unproblematisch. Alternativen gibt es derzeit kaum.

 

Wie wirkt Kupfer?

 Kupfer ist auch deshalb so wertvoll für den ökologischen Pflanzenbau, weil es ein breites Wirkungsspektrum hat. Die Wirkung beruht bei allen Pilzarten auf dem gleichen Mechanismus: Die Kupferionen dringen durch die Zellwand in den Pilz ein und bringen ihn zum Absterben, indem sie lebenswichtige Enzymreaktionen blockieren.

 

Experten des Julius-Kühn-Instituts (JKI) gehen davon aus, dass ein Verzicht auf Kupfer:

 

  • im ökologischen Weinbau zu Ertrags- und Qualitätseinbußen von 50 bis 100 Prozent führen würde.
  • Bei Kartoffeln rechnet man mit Einbußen von bis zu 80 Prozent in Jahren mit ungünstiger Witterung,
  • im Obstbau mit bis zu 40 Prozent.
  • Ökologischer Hopfenanbau wäre gar nicht möglich.

Wie schädlich ist Kupfer?

 Doch Kupfer ist nicht unproblematisch. Vor allem auf Mikroorganismen und Weichtiere kann das Metall bereits in geringen Konzentrationen toxisch wirken. Hinzu kommt, dass sich Kupfer vor allem in den oberen Bodenschichten anreichert. Erschwert werden ökotoxikologische Einschätzungen durch Alterungsprozesse des angereicherten Kupfers. So ist nicht in jedem Fall das Gesamtkupfer im Boden entscheidend für die Toxizität, sondern lediglich die bioverfügbare Kupfermenge.

 

Wie viel Kupfer wird ausgebracht?

 Die im Zuge der Kupferminimierungsstrategie (2010) erhobenen Daten zu den Aufwandmengen der Praxisbetriebe zeigen die ausgebrachten Kupfermengen:

 

  • im Bioweinbau in den vergangenen Jahren durchschnittlich zwischen 2 und 2,5 Kilogramm pro Hektar und Jahr
  • im ökologischen Apfelanbau im Schnitt etwa 2,5 Kilogramm
  • bei Biokartoffeln 1,5 bis 2 Kilogramm pro Hektar
  • in der ökologischen Hopfenerzeugung durchschnittlich über 3 Kilogramm Kupfer pro Hektar

Wie kann Kupfer reduziert werden?

 Ein wichtiger Ansatzpunkt bei der Minimierung von Kupfer ist die Möglichkeit, Kupferpräparate mit anderen, im Ökolandbau bewährten Mitteln wie Kalium-Phosphonaten und Myco-Sin (Weinbau) oder Schwefelkalk und Kalium-Hydrogenkarbonaten (Obstbau) auszubringen. Diese Mittel hatten bereits einige Jahre lang eine Zulassung für den Einsatz im Ökolandbau. Zurzeit wird ihre Zulassung neu geprüft. Die Bewertung ist noch nicht abgeschlossen. Deshalb dürfen Betriebe die entsprechenden Präparate momentan nicht einsetzen.

 

Weitere Einsparpotentiale erhofft man sich durch die Züchtung pilzresistenter Sorten. Fachleute sehen insbesondere bei Kartoffeln das größte Potential, um mithilfe von Resistenzen den Kupferaufwand weiter zu minimieren.

 

Gibt es Alternativen zu Kupfer?

 Auch die Suche nach alternativen, umweltfreundlichen Wirkstoffen mit vergleichbarer fungizider Wirkung steckt noch in den Kinderschuhen. Präparate auf Basis von Chitosan, Süßholz-, Zitrus- oder Schachtelhalmextrakten haben sich bisher nur unter Laborbedingungen bewährt.

 

Im Feldeinsatz ist es dagegen bisher noch nicht gelungen, regenstabile Formulierungen mit diesen Wirkstoffen zu entwickeln. Immerhin konnte mit anderen neuen Wirkstoffen, etwa mit eisenhaltigen Fettsäuren, zumindest eine Teilwirkung erzielt werden. Dennoch ist nach Ansicht von Fachleuten auf absehbare Zeit kein Stoff in Sicht, der Kupfer mit gleicher Wirkung vollständig ersetzen könnte.


Gärreste verbessern die Bodenfruchtbarkeit

von am

Gärreste sind ein guter Dünger und Humusbildner für die Landwirtschaft. Dies zeigt eine neue Studie des IASP.

Gärreste verbessern die Bodenfruchtbarkeit

Gärreste aus Biogasanlagen kommen zunehmend als Dünger und Humusbildner auf landwirtschaftlichen Flächen zum Einsatz. Allerdings liegen Landwirten bisher nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten aus Anbau- und Düngeversuchen vor. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse bieten Landwirten wertvolle Informationen für die Düngung mit Gärresten. Die Wissenschaftler des Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität zu Berlin (IASP) und der HU Berlin haben Gärrückstände verschiedener Biogasanlagen analysiert und ihre Auswirkungen auf unterschiedliche Bodenparameter und auf das Pflanzenwachstum in einem mehrjährigen Feldversuch untersucht.

Positive Entwicklung des Humusgehaltes

Nach derzeitigem Stand der Forschung ist die Ausbringung von Gärreste gut geeignet, um zu einer langfristig positiven Entwicklung des Humusgehaltes beizutragen und die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Gärreste enthalten zudem leicht pflanzenverfügbaren Stickstoff sowie Phosphor und Kalium. Auch die Aggregatstabilität des Bodens wurde durch Gärreste positiv beeinflusst. Weitere Informationen unter www.fnr.de